Zugegeben, darüber nachgedacht habe ich schon oft während der vergangenen Wochen.
Die Veröffentlichung der neuen Beta lief sozusagen erstmal ohne mich- Zeitmangel, während ich der ersten Beta noch sehr gespannt entgegengeblickt habe, habe ich diesmal erst verspätet von der Erscheinung der Beta erfahren. Ich war einfach mit anderen Projekten beschäftigt, netterweise abseits jeglicher Open Source Lösungen, mit völlig neuen Möglichkeiten und ganz anderen “Macken”.
Eigentlich scheint es nicht weiter wichtig, offenbar hatte ich nichts verpasst.
Der große Hype ist ausgeblieben, statt dessen Enttäuschung bei vielen, auch bei mir.
Joomla! das hieß bisher: leicht zu lernen, intuitiv zu bedienen, aus einem Pool an Erweiterungen schöpfen und seine eigene Website aufpeppen.
Für mich hieß Joomla! auch viel Spaß bei der Template Erstellung.
Vor allem aber dann, wenn es um ganz typische Business-Szenarien ging oder der Kunde einfach das Außergewöhnliche suchte, war Joomla! zwar immer flexibel genug, um entsprechende Anpassungen vornehmen zu können, oftmals war dieser Aufwand aber schlicht zu groß und rechnete sich nicht.
Irgendwie herrschte allzuoft einfach Unzufriedenheit, entweder beim Kunden, der sich schlicht mehr erwartet hatte oder bei mir, weil ich mir einen Workaround ausdenken musste, um meine Kunden doch noch glücklich zu machen und das Ganze noch zu einem guten Preis-Leistungsverhältnis.
Hier wurden sicherlich nicht nur einige meiner Kunden (die sich meist schon im Vorfeld für Joomla! entschieden hatten und sich an mich gewendet haben, weil ich bisher auf Joomla spezialisiert war) in ihren Erwartungen immer wieder enttäuscht- sind doch einige der in Joomla! immer noch nicht implementierten Features inzwischen CMS Standard und wurden daher von Kunden erst spät zur Sprache gebracht, weil einfach vorausgesetzt.
Von der 1.5 erwarten wir uns daher nicht erst seit kurzem einen großen Schub nach vorne und das war vielfach auch die Motivation dafür, meinen Kunden Mut zu machen. Vor allem die Implementierung wichtiger Features wie Rechtemanagement, Versionierung, integrierte Mehrsprachigkeit, suchmaschinenfreundliche URLs on Board oder ein wirklich flexibles Content Management abseits der strikten und starren Section/Category/Content Hierarchie blieben aus - es scheint, als wären derlei Feature Requests an den (?) Machern völlig vorbeigegangen.
Das alles ist sehr, sehr schade, denn Joomla! hatte alle Voraussetzungen, um sich als erfolgreiches CMS zu behaupten - oder ist es einfach nur so, dass der Erfolg eines CMS mit der Größe der Community korreliert!?
Community? Joomla! wirkte nach dem letzten großen Erfolg zumindest für einen Supporter auf dem Joomlaportal eher wie das CMS der Spaß-Website Betreiber. Die rapide wachsende Anzahl an neuen Erweiterungen ist zwar eine schöne Sache, ich bin jedoch der Überzeugung, dass viele der neuen angebotenen Errungenschaften mehr oder weniger überflüssig für den ernsthaften Websitebetreiber sind. Oder brauchen Sie für die Darstellung Ihrer Produkte auf jeder Seite AJAX Features und animierte Slideshows?
Joomla!- das heißt für mich leider nicht erst seit Erscheinen der 1.5 beta, viel zu oft Erklärungsnöte. Eine Verbesserung der Situation ist hier nicht in Sicht, im Gegenteil, Diskussionen über eine neue Lizensierung und die Entscheidung, nun alles nochmal zu überdenken tun das Übrige und lassen vermuten, dass Joomlas Zukunft wahrscheinlich nicht im geschäftlichen Bereich liegt.
Sätze wie “We will provide facts as soon as we have them.” (siehe News auf Joomla.org) machen mich nachdenklich und zeugen in meinen Augen nicht von einem durchdachten Konzept.
Es gibt für mich daher keinen Grund, weiter auf Joomla! zu setzen, wenn es um leistungsstarke und flexible Websites geht, mit denen Business sich nicht nur präsentieren möchte sondern es auch um die Integration einer Website in bestehende Geschäftsprozesse geht oder internationale Märkte schnell und unkompliziert bedient werden sollen.
Wie sollte ich meinen Kunden erklären, dass nicht mal die Joomla Entwickler selbst Fakten liefern können?
Wie soll ich meinen Kunden guten Gewissens und voller eigener Überzeugung erklären, dass nach dem monatelangen 1.5 Beta Desaster nun endlich alles gut wird, auch wenn die Features, die sie benötigen immer noch in weiter Ferne liegen?
Wie soll ich erklären, dass hoffnungsvolle Bücher erschienen sind, die mit dem, was da kam, nur marginal zu tun haben?
Seit der Geburt des Joomla! Babys wurde viel falsch gemacht.
Ich fürchte, zu viel, um es wieder gut machen zu können.
Vielleicht wird es einen Fork geben, für den kompetente und zukinftsorientierte Entwickler das Beste aus der Joomla! Basis zu einem neuen, geschäftstauglichen, flexiblen und vor allem nachhaltigen System zusammenstricken.
Dann bin ich wieder dabei, hoffnungsvoll und zuversichtlich.
Bis dahin: Tschüß Joomla!
Und was wird mit dieser Website?
Neues von medanova gibt es genug, vielleicht auch wieder über Joomla. Vor allem aber über vieles andere, was mir inzwischen begegnet ist und noch begegnen wird.